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Multimediales Feature über Waldbrände im Klimawandel - SRSP02 Semesterarbeit
Was uns die steigende Waldbrandgefahr über unsere Wälder sagt
Auch auf der Alpennordseite lassen Waldbrände die Bevölkerung aufhorchen. Immer öfter kommt es auch bei uns zu diesen Katastrophen. So furchterregend sie auch sein mögen, stellen Waldbrände allerdings nicht die grösste Bedrohung für unsere geliebten Wälder dar.
Waldbrand in der Wolfsschlucht
Am Abend des 13. Oktober 2025 fällt Joshua Huber, Kreisförster der Region Thal-Gäu, Rauch am Horizont auf. Was er erst für ein kleines Lagerfeuer hält, wird schnell zum grössten dokumentierten Waldbrand des Kantons Solothurn. Zunächst brennt nur eine kleine Waldfläche, doch das Feuer breitet sich aufgrund des Windes rasch aus. Das betroffene Gelände bei der Wolfsschlucht ist steil, unwegsam und schwierig zu erreichen. Huber beschreibt, wie er am Brand ankommt und sich zunächst fehl am Platz fühlt, bis ihn der Einsatzleiter in den Kommandoposten holt.
Joshua Huber – Situation vor Ort
Über Joshua Huber
Joshua Huber ist in der Region Thal-Gäu aufgewachsen und tief mit der lokalen Natur verwurzelt. Nach seiner Ausbildung zum Forstwart absolvierte er die Berufsmaturität und studierte anschliessend Forstingenieurwesen an der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (HAFL) in Zollikofen. Heute ist Joshua Huber Kreisförster der Region Thal-Gäu und zudem stellvertretender Kantonsoberförster des Kantons Solothurn. In dieser Position ist er unter anderem verantwortlich für das Waldrecht, den Waldschutz und die Waldbrandprävention.
Die Brandursache blieb ungeklärt. Huber meint aber: «Wer die Ausdehnung der Brandfläche sowie die Windrichtung berücksichtigt, kommt zum Schluss, dass die wahrscheinlichste Ursache ein nicht fachgerecht gelöschtes Lagerfeuer sein muss.» Das rund fünf Hektar grosse betroffene Gebiet liegt in einem Naturreservat, das vor dem Brand hauptsächlich aus lichtem Föhrenwald bestand. Materieller Schaden ist kaum entstanden. Die Forstbetriebe entschieden, in der Regenerationsphase nicht aktiv einzugreifen, und liessen die Natur sich selbst heilen.
Was den Brand in der Wolfsschlucht besonders prägte, war laut Huber die Wucht des Ereignisses selbst: Näher als 300 Meter konnte man zeitweise nicht an das Feuer heran. Der Einsatz kostete rund 180'000 Franken – und hinterliess vor allem eine Erkenntnis: Der Kanton Solothurn war nicht auf ein derartiges Ereignis vorbereitet. «Der Brand hat uns wachgerüttelt», sagt Huber. Seither wurde ein kantonales Waldbrandkonzept erarbeitet, Feuerwehrangehörige werden regelmässig geschult, und der Austausch zwischen Forstdienst, Feuerwehr und Behörden wurde institutionalisiert.
Auf eingespielte und im Vorhinein durchdachte Konzepte kommt es an, meint auch Dr. Boris Gianni Pezzatti, Leiter der schweizweiten Waldbranddatenbank an der WSL, der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft.
Dr. Boris Gianni Pezzatti – Brandschutzkonzept
Über Dr. Boris Gianni Pezzatti
Dr. Boris Gianni Pezzatti hat 1997 mit einem Diplom in Natural Science an der ETH abgeschlossen. Seit 1998 ist er für die WSL tätig und forscht seither aktiv zum Thema Waldbrand. Im Jahr 2012 hat er mit seiner Arbeit Modeling plant biomass partitioning responses to environmental conditions and disturbance an der Universität Neapel doktoriert. Heute ist er nach wie vor an der WSL tätig und Leiter der Forschungsgruppe Insubrische Ökosysteme. Ausserdem ist er der Zuständige der Waldbranddatenbank der ganzen Schweiz.
Ursachen für Waldbrände
Wenn es in Schweizer Wäldern brennt, ist die Natur selbst selten dafür verantwortlich, denn die einzige natürliche Brandursache ist der Blitzschlag. Eben dieser löst aber nur einen Bruchteil der Brände aus – über 80% sind auf menschliches Handeln zurückzuführen. Dabei lassen sich die anthropogenen (vom Menschen verursachten) Ursachen in drei Kategorien unterteilen:
- Fahrlässigkeit
- Technik & Infrastruktur
- Vorsatz (Brandstiftung)
Hierbei ist interessant, dass Brandstiftung mit ca. 10 % in der Gesamtschweiz nicht die häufigste Ursache, in den Alpen aber für über 40% der gesamten Brandfläche verantwortlich ist. Ob aus Unachtsamkeit oder Fahrlässigkeit – der Mensch stellt die Hauptursache dar, und damit rückt die gezielte Sensibilisierung der Bevölkerung in den Mittelpunkt der Waldbrandprävention.
Mehr Brände in der nicht vegetativen Zeit
Folgen von Waldbränden
Nach einem Waldbrand sind die Folgen unmittelbar; in schlimmen Fällen bedeutet der Brand den Tod für ganze Populationen. Doch ein Waldbrand zieht auch Positives mit sich. Unmittelbar nach der Freilegung von bewohnbarer Fläche entsteht ein Ungleichgewicht, das zu neuer Artenvielfalt für Insekten, Pflanzen, Pilze und Tiere führt – die Natur beginnt, sich selbst zu heilen. Diese Regenerationsfunktion kann allerdings nur gewährleistet werden, wenn die Brandfläche und der damit einhergehende Schaden nicht zu gross sind.
Gefahren bergen die Folgen vor allem für uns Menschen, denn in der Schweiz hat ein Grossteil der Wälder Schutzfunktion. Ohne die Wälder sind Infrastruktur und Mensch in Gefahr.
Der Wald, unser Freund und Helfer
Waldflächen bieten nicht nur Tieren und Pflanzen wertvollen Lebensraum, sie schützen auch uns Menschen. Rund drei Viertel der Schweizer Waldfläche tragen Schutzfunktionen – das heisst, sie schützen Infrastruktur und Wohnraum vor Bergrutschen, Lawinen, Hochwassern und weiteren Umweltereignissen. Den Wald zu verlieren, hätte verheerende Folgen für Mensch und Tier.
Doch wie steht es um unsere Wälder? Die Antwort: ernüchternd. Der Zustand ist kritisch, und die Prognosen bringen ebenso niederschlagende Ergebnisse mit sich. Die Buche, der mit etwa 80% Anteil am häufigsten auftretende Baum, soll bis 2050 nicht mehr überlebensfähig sein. Gründe für die schlechte Gesundheit unserer Wälder sind die Klimaerwärmung, Waldbrände, Umweltereignisse, aber auch Neobiota – Lebewesen, die vom Menschen in ein ihnen nicht heimisches Gebiet eingeschleppt werden. Diese Lebensformen können für erhebliche Schäden sorgen und sogar ganze Waldbestände über Ländergrenzen hinweg bedrohen, wie zum Beispiel der Borkenkäfer.
Was unsere Wälder bedroht
Unseren Wäldern geht es nicht gut – gar nicht gut. Allen voran macht ihnen der Klimawandel zu schaffen. Durch diesen ändern sich die klimatischen Bedingungen so schnell, dass die Verjüngung – die Entstehung neuer Baumgenerationen und deren Anpassung an neue Gegebenheiten – nicht mehr hinterherkommt. Ebenso spricht man von einer Migration nach oben: Die Zonen, in denen eine Baumart überleben kann, verschieben sich weiter über den Meeresspiegel. Das Problem dabei ist, dass man nach oben durch die Baumgrenze und nach unten durch fehlende Vegetation begrenzt ist.
Dazu meint Dr. Boris Gianni Pezzatti:
Dr. Boris Gianni Pezzatti – Artenmigration
Die steigende Waldbrandgefahr stellt somit ein Warnzeichen in einem grösseren Rahmen dar. Sie ist das Ergebnis des Klimawandels und ein Hilferuf unserer Wälder, uns um deren Wohlergehen zu kümmern. Verlieren wir die Wälder, verlieren wir die Lebensgrundlage vieler Tiere und Pflanzen – und schlussendlich unsere eigene.
Transkription der Audios
Hörspiel
«Scheisse, ich glaube, dort hinten fängt es an zu brennen! Ich muss sofort die Feuerwehr anrufen!»
Situation vor Ort
«Dann kam ich in den Kommandoposten, wo sie strategisch planen: von wo kommen welche Leute und wie bekämpft man das Feuer. Ab dort konnte ich dann mithelfen. Da stellten sich die Fragen: Wo kann man fahren, wo nicht? Wo kann man es weiterbrennen lassen? Ich konnte mich als Förster einbringen, und man merkte: Das war echt hilfreich. Das Fazit der Feuerwehr war, man muss den Forstdienst früher einbeziehen.»
Brandschutzkonzept
«Es handelt sich tatsächlich um eine gemeinsame Aufgabe, die auf nationaler und kantonaler Ebene stattfindet. Zudem ist eine reibungslose Koordination und Zusammenarbeit zwischen Forstdienst, Feuerwehr und Polizei unerlässlich. Das muss regelmässig trainiert werden. Denn wenn es tatsächlich brennt – und das ist vielleicht noch nie vorgekommen –, geraten die Einsatzkräfte unter Stress und hören möglicherweise nicht auf den Förster. Solche Szenarien gilt es vorzubereiten. Es lohnt sich daher, im Vorfeld Treffen zu organisieren, Übungen durchzuführen oder auch mal gemeinsam ein Bier zu trinken. Denn wenn es ernst wird, herrscht grosser Stress, besonders wenn man solche Situationen noch nie erlebt hat. Solche Dinge sind extrem wichtig zu üben, damit sich alle Beteiligten kennen und gut zusammenarbeiten können.»
Mehr Brände in der nicht vegetativen Zeit
«An dieser Stelle ist zu erwähnen, dass während der nicht vegetativen Zeit, also im Winter, mehr Waldbrände stattfinden als im Sommer. Die einzige natürliche Ursache für Waldbrände im Sommer sind Blitzschläge während Stürmen.»
Artenmigration
«Es gibt Prognosen, die besagen, dass sich die Arten tendenziell nach oben verlagern werden. Wenn ihr aktuelles Optimum auf einer bestimmten Höhenstufe liegt, wird es sich voraussichtlich dorthin bewegen, wo die Temperaturen in Zukunft ähnlich sein werden. Allerdings: Wenn man in Locarno ist, kann man die Bäume nicht einfach aus dem See holen, oder? Man ist dort bereits am unteren Ende angelangt. In solchen Fällen muss man auch darüber nachdenken, dass es möglicherweise Platz für andere Arten gibt, die bisher noch nicht dort vorkommen.»